Konstruktionsbericht · 7. August 2026

Stiftplotter

Ein Prusa i3 MK3S+ zeichnet mit einem Stift statt zu drucken. Der Halter sitzt am Extruderlüfter und bleibt beim Drucken dran — der Drucker verliert seine eigentliche Aufgabe nicht.

GebautLäuft als Dienst auf node-1. Erste Zeichnung am 6. August 2026.

Grundgerät
Prusa i3 MK3S+
Nutzfläche
200 × 180 mm
Stiftversatz
−50 / −30 mm
Arbeitshöhe
1,5 mm unter Berührpunkt
Federweg
15 mm
Wirt
node-1 G2-A

Das billigste brauchbare Zeichengerät im Haus war schon da: ein 3D-Drucker ist eine präzise XY-Kinematik mit Z-Achse, und mehr braucht ein Plotter nicht. Der Umbau besteht aus einem Halter am Extruderlüfter und einer Werkzeugkette, die aus SVG G-Code macht.

Was das Einmessen ergeben hat

Vor dem 6. August 2026 stand die Kette nur auf dem Papier. Die folgenden Werte sind gemessen, nicht angenommen — und drei davon waren vorher falsch:

Wert Stand vorher Gemessen
Stiftversatz X −45, Vorzeichen unbelegt −50 (Stift steht links der Düse)
Stiftversatz Y −30, Vorzeichen unbelegt −30 (Stift steht vor der Düse)
Versatz in vpype.toml -45 / -30 +50 / +30 — das Vorzeichen war verkehrt
Nutzbare Fläche ~200 × 175 geschätzt 200 × 180, aus dem Versatz gerechnet
Berührpunkt unbekannt Z 19,5 im Sitzungsnullpunkt
Arbeitshöhe „Z 10 laut Halter-Autor“ 1,5 mm unter dem Berührpunkt, per G92 auf Z10 gelegt
Federweg des Gummibands unbekannt 15 mm

Die Lehre daraus steht in einem Wort: Vorzeichen sind keine Nebensache. Ein seitenverkehrter Versatz sieht in der Vorschau genauso plausibel aus wie der richtige und fällt erst auf, wenn der Stift neben dem Blatt landet.

Der unerwartete Nebennutzen: er ist ein Prüfgerät

Ein Stiftplotter findet Fehler in Vektordateien, die auf jedem Bildschirm und in jedem Druck unsichtbar bleiben. Der Grund ist mechanisch: ein Bildschirm rastert, ein Drucker legt Farbe in Flächen — beide füllen Lücken mit Strichstärke zu. Der Plotter dagegen fährt den Pfad ab und muss an jeder Lücke absetzen, anheben, neu ansetzen. Was grafisch untergeht, wird zu einer Bewegung, die man sieht und hört.

Der Fund, der das gezeigt hat

Beim Zusehen fiel auf: am mana-Logo setzt der Stift nach dem ersten Bogen ab, die restlichen vier zieht er in einem Zug. In der Datei sass der erste Bogen 0,0965 Einheiten höher als die anderen vier. Bei 60 mm Logobreite sind das 0,286 mm — knapp über der Zusammenfass-Toleranz von 0,2 mm, und deshalb genau die eine Lücke, die offen blieb.

Im gedruckten Logo ist das unsichtbar: die Striche sind 1,2 Einheiten dick, ein Versatz von 0,0965 verschwindet darin vollständig. Der Fehler war vermutlich jahrelang da, in zehn Kopien über fünf Repos — bis eine 0,5-mm-Linie ihn abgefahren ist.

Prüfen kostet keinen Lauf am Gerät und kein Papier: messen.py rechnet die G-Code-Datei durch, und die Zahl der Absetzer ist die Prüfgrösse. Sind es mehr Absetzer, als das Motiv Teilstücke hat, steckt eine Lücke drin.

Die Toleranz dabei nicht hochzudrehen ist wichtig: linemerge --tolerance 0.5mm hätte den Fehler ebenfalls verdeckt — und zugleich Pfade zusammengefasst, die getrennt bleiben sollen. Die Lücke gehört in der Quelle geschlossen, nicht beim Erzeugen überbrückt.

Wo er hängt, und warum nicht am Mac Mini

Seit dem 7. August 2026 hängt der Drucker an node-1 (G2-A, Debian) und die Sitzung ist ein systemd-Dienst statt eines von Hand in den Hintergrund geschickten Skripts.

Der Grund ist gemessen, nicht Geschmack: Docker läuft auf dem Mac Mini über colima, also in einer Linux-VM. Auf dem Host liegt /dev/cu.usbmodem3101; mountet man dasselbe /dev in einen Container, steht darin cuse und kein cu.usbmodem. Ein Container auf dem Mini kann den Plotter also nie fahren — er könnte nur Entwürfe anzeigen.

Offene Punkte

Wo der Rest liegt

ArtWasPfad
RepoWerkzeugkette, Wegoptimierung, Betriebsdokutools/mana-plotter/
DateiEinmessbericht mit allen gemessenen Wertentools/mana-plotter/docs/einmessen/BERICHT.md
DateiDer Plotter als Prüfgerät für Vektorgrafiktools/mana-plotter/docs/PLOTTER-ALS-PRUEFGERAET.md