Konstruktionsbericht · 5. August 2026

Zeichenroboter

Ein runder Stiftroboter von 76 mm Durchmesser, der über Nacht auf Visitenkarten zeichnet. Nullpunkt ist die Kartenkante — nicht eine Wanne, nicht ein Anschlag, nicht das eigene Rad.

GeplantReine Planung — nichts gebaut, nichts bestellt.

Durchmesser
76 mm
Kartenformat
85 × 55 mm
Antrieb
N20 Getriebemotoren
Kantensensoren
2 Reflex, 50 mm
Teileliste
~34 €
Laufzeit
eine Nacht

Ein rollender Roboter hält einen Stift und zeichnet über Nacht auf eine Visitenkarte. Langsam und leise sind erwünscht, schnell ist ausdrücklich kein Ziel.

Das eine harte Problem

Ein rollender Zeichenroboter weiss nicht, wo er ist. Räder schlupfen, und jeder Fehler summiert sich: Radodometrie allein wächst unbegrenzt, ohne obere Schranke. Nach zehn Minuten ist das Bild Makulatur. Alles andere am Gerät ist einfach — diese eine Frage entscheidet, ob es funktioniert.

Verfahren Fehler über Zeit Teile Braucht Urteil
Radodometrie, Schritte zählen wächst unbegrenzt 0 € — unbrauchbar über 10 min
Optischer Maussensor wächst langsam ~12 € tragfähige Textur geprüft, ersetzt
Wanne mit Anschlagecke wird zurückgesetzt ~3 € rechtwinkliges Druckteil Grundidee, verfeinert
Deckenkamera mit ArUco-Markern konstant Kamera + Rechner Aufbau über dem Tisch zurückgestellt
Kodiertes Papier (Anoto-Prinzip) konstant Spezialpapier Sonderdruck nicht jetzt
Kartenkante als Nullpunkt wird zurückgesetzt ~6 € Kontrast Karte/Ablage gewählt

Die gewählte Lösung

Die entscheidende Beobachtung: die Karte ist präziser gefertigt als jedes Druckteil, das wir bauen können. Eine geschnittene Visitenkarte ist auf Zehntel genau 85 × 55 mm. Warum also eine selbstgedruckte Wanne als Referenz nehmen und nicht das Blatt selbst?

Zwei billige Reflexsensoren sitzen vorn am Roboter, rund 50 mm auseinander, und schauen nach unten. Die Ablage ist dunkel gedruckt, die Karte weiss — der Kontrast ist eindeutig. Überfährt der Roboter eine Kante schräg, schaltet erst der eine Sensor, dann der andere: aus dem Wegunterschied zwischen beiden Ereignissen fällt der Winkel, aus dem Ereignis selbst die Position quer zur Kante. Dieselbe Information wie aus zwei Endschaltern an einer Wand — nur ohne Anfahren, ohne Anpressen, ohne Ecke.

Der Fehler wächst damit nicht mehr unbegrenzt, sondern wird bei jeder Kantenüberfahrt zurückgesetzt.

Mechanik

Er fährt über sein eigenes Bild

Bei einem Roboter, der grösser ist als sein Blatt, ist das unvermeidlich — und es entscheidet über die Stiftwahl. Filzstift verschmiert unter den Rädern, Gelstift ist am schlimmsten. Erste Wahl: Bleistift — trocknet nicht, verschmiert kaum. Alternativ Kugelschreiber oder ein alkoholbasierter Fineliner mit rund einer Sekunde Trockenzeit.

Nicht-Ziel: Portalmechanik

Der Vorschlag kommt zuverlässig, seit drei Drucker im Haus stehen: „bau ihn doch als Portal aus dem MK3“. Das ist entschieden — „wäre für dieselbe Genauigkeit einfacher, aber dann ist das Gerät grösser als sein Bild, und genau das soll es nicht sein“. Ein Portalplotter wäre ein eigenständiges Werkzeug, kein Ersatz. Die Drucker liefern hier die Teile, nicht die Kinematik.

Wer Augen am Roboter will (Telefon an Bord), bekommt sie ebenfalls nicht: Android ist nicht echtzeitfähig, das Motortiming bliebe auf dem Mikrocontroller. Die Teilezahl geht damit hoch, nicht runter.

Offene Punkte

Wo der Rest liegt

ArtWasPfad
RepoVolltext mit Entscheidungsprotokoll und allen geprüften Variantentools/mana-zeichenroboter/plan/index.html
BacklogTeileliste als Eintrag 11platform/mana/docs/HARDWARE_BACKLOG.md